Anschläge (3)

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 Ein weiteres Instrument der westlichen Systeme sind die Parteien. Diese geben vor, den Volkswillen in Vereinsform zu verkörpern. Durch ihre Einführung wurde das Volk nicht nur in unterschiedlichste, sich teils absurd hassende Interessengruppen gespalten, es wurde dem Volk so auch klar diktiert, wie “Volksherrschaft” auszusehen habe. Wer als Bürger demokratisch entscheiden will, muss sich zunächst an den Hals eines Parteikaders werfen. Wenn die Allgemeinheit auch nicht immer glaubt, daß sie selbst das Gute und Wahre verkörpert, so glaubt sie es doch in aller Regel von all den geistigen und politischen Führern, die ihnen im buntesten Gewand ein Theater machen und denen sie sich bereitwillig anschließen, ohne kritische Gedanken zu hegen und ohne ihre eigenen Einbußen an Macht und Einfluss zu hinterfragen. Sie üben sich wohl in Unwissen, das sie mit Bescheidenheit und Schlichtheit verwechseln. Sie haben sich damit abgefunden, daß ihre tiefsten Überzeugungen nur in einem allgemeineren, von einer vermeintlichen geistig-politischen Elite und der dazugeghörigen Partei vorgegebenen Konsens aufgehen können, obschon diese – und das sieht die Masse nicht und will es nicht sehen! – gleichzeitig darin entkernt und zerbröselt würden. Parteien vertreten immer Ideen der Massen, und Ideen der Massen sind immer minderwertige Ideen, reduzierte Ideen, kompromissbeladene und inkonsequente Ideen, Ideen des Durchschnitts, des Verzichtens und Rücksichtnehmens: Ideen, in denen es stets um das andere und nie um das eigene Belangen geht; es sind künstliche Ideen, die durch zu viele abstrakte Kanäle geleitet wurden, und durch die Massenorientierung, die sich an massepsychologischen, also irrationalen Faktoren orientiert, ist notwendigerweise die Lüge mehr im Spiel als irgendwo anders sonst. Durchläuft eine persönliche Überzeugung das abstrakte Massendenken, ist sie bestrebt, das rein individuelle Empfinden der einzelnen Person abzutöten. Überzeugung wird Ideologie; definiert sich ein Denken also etwa durch Klasse, durch Rasse, durch Partei, bald durch in fernen Zeiten erahnten Utopismus – und nichts davon hat Echtheit an sich! -, wird es wertlos für den Einzelnen. Keine Partei, könnte jemals Person sein, oder zumindest vollwertige Person sein. Es wäre eine sich selbst ständig widersprechende, rabulistisch peitschende und gleichzeitig opportunistische Person. Dies hängt untrennbar damit zusammen, daß Botschaften an die Massen grundsätzlich anders geartet sind als Botschaften an den Einzelnen. So kommt es zu jener verhängnisvollen Folge der Abhängigkeit des Individuums in einer Partei, ja Auflösung in ihr, als Sklave von Parteieliten, die gleichzeitig Staatsbeamte sind, und wohl als einzige Mitglieder der Partei von der Wahrheit ihrer Idee, nämlich daß sie manipulativ und falsch ist, Kenntnis haben. Der Anhänger und Wähler hingegen wird weiterhin in dem Glauben gelassen, daß s e i n e Interessen vertreten würden. Die Losung aber heißt nicht Sozialdemokratie, Christdemokratie, Liberalismus. Ökologismus, demokratischer Sozialismus oder sonst irgendeine plakative, abgewatschte und verlogene Ideologie; denn nichts davon ist e c h t. Die Losung findet sich im Vertrauten, im Heimatlichen, im Selbst, das keine Partei je vertreten könnte. Der Parlamentarismus ist der Verderber des Volkswillens unter demokratischem Banner. Nicht nur, daß er das Volk dazu zwingt, ein heimatgebundenes, an den Lokalitäten orientiertes Denken aufzugeben, und damit die Regionen politisch entmündigt; er stellt zudem durch sich selbst sicher, daß er nicht verändert oder gar demontiert werden kann: Keine Partei kann kommen, um die Parteien abzuschaffen. Wer im Theater der Elite eine Rolle spielen will, muss sich nach ihrem Drehbuch richten.

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Haben die Massen ihre vom parlamentaristischen Staat vorgefertigte „politische Heimat“ gefunden, werden sie rasch damit beginnen, sich gegenseitig zu bekämpfen. Diese S p a l t u n g des Volkes zeichnet im wesentlichen die Parteien-Demokratien oder den Parlamentarismus aus. Dieser Kampf wird jedoch überwacht und kontrolliert vom eigentlichen Herrscher über die Demokratie – er steht ü b e r der Demokratie -, und er wird penibel darauf achten, daß sich die Volksmassen niemals gegen ihn, sondern stets nur gegen sich selbst richten werden. Dies ist wohl der Hauptgrund überhaupt für die teils aufwendig gestaltete Illusion der parlamentarischen Demokratie: Die Zerteilung des Volkes in Interessengruppen, und mit ihr die Verhinderung gemeinsamer ganznationaler Interessen, unter gleichzeitiger Untergrabung regionaler politischer Arbeit. Während im Staate augenscheinlich eine lebhafte Diskussion über die Zukunft des Landes geschieht, derigieren jene, die weit über den eingesetzten und bezahlten Schauspielern im Parteiengeschäft stehen, als einzige die Richtung. Wohl geschickt, denn der gebündelte Wille eines Volkes ist das Einzige, das einen Zustand der Tyrannei nachhaltig beenden könnte. – Würde der Schein der Freiheit schwinden und die verfluchte Fratze entblößen, die den Tyrannen schmückt, würden also die Parteien auffliegen als ein bürokratischer Haufen Handlanger und Schauspieler höherer Mächte in einer Hierarchie, die wir nicht überschauen dürfen, würden die Medien als unheilsame Claquere der Tyrannen, Zurechtbieger der Lüge und als Schönredner des Unrechts erkannt werden, dann würde sich der Unmut des Volkes schnell abwenden von sich selbst und sich auf die Krone höchstselbst richten: Der Bürger würde also nichts anderes tun, als seine Rolle im Schauspiel zu beenden. Er würde mehr tun, als nur eine patzige Nein-Stimme zu geben. Er würde eintreten in eine Welt, in der das Wort nichts mehr ändert und in der nur wahre Überzeugung und wahrer Wille den weiteren Verlauf bestimmen.

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