Hambacher Fest

„Während den Tagen des Hambacher Festes (27. Mai bis 1. Juni 1832 auf dem Hambacher Schloss) hätte mit einiger Aussicht guten Erfolges die allgemeine Umwälzung in Deutschland versucht werden können. Jene Hambacher Tage waren der letzte Termin, den die Göttin der Freyheit uns gewährte…“ so Heinrich Heine.

Die Burschenschaften fassten auf dem Wartburgfest (1817) Grundsätze und Beschlüsse die von nationaler Einheit bis zur Abschaffung von Zöllen reichten. Mit Abschluss des Studiums gingen die Studenten in die Gesellschaft auf und gaben ihr Gedankengut weiter an die Folgegeneration. Ebenso übertrugen sich die Ideale sowie das Verlangen nach einer Verfassung auf die ältere Generation. Woraus sich eine Opposition formierte aus frühliberalen, bildungs-, besitz- und stadtbürgerlichen Kräften. Diese wurden durch die Revolutionen im Ausland zur Auflehnung gegen die auf Restauration bedachten Machtverhältnisse im Deutschen Bund ermutigt.

So sahen sich die Teilnehmer des zu Ehren der Rückkehr Friedrich Schülers ausgerichteten „Ersten Schülerfestes“ (1832) als Patrioten. Sie forderten jegliche Gesetzmäßigkeit müsse sich aus der Volkssouveränität erschließen, würde dies vollzogen so wäre es der Grundstein für „Deutschlands Wiedergeburt“. In der Weiterführung der Idee gründeten die Anwesenden den Deutschen Vaterlandsverein zur Unterstützung der freien Presse (Deutscher Press- und Vaterlandsverein). Die Verhaftung von Journalisten sowie der anschließenden Freispruch und die andeutende Ungerechtigkeit des erlassenen Vereinsverbotes brachten dem Press- und Vaterlandsverein großen Zulauf. Philipp Jakob Siebenpfeiffer, Herausgeber des Boten, schlug vor, im damaligen „Neustadt an der Haardt“ ein „Nationalfest der Deutschen“ zu organisieren. Das Für und Wider des Festes steigerte das Interesse am Fest und mobilisierte die Öffentlichkeit.

Am Abend des 26. Mai 1832 versammelten sich Journalisten und Liberale im Neustädter Schießhaus. Auf dieser Versammlung wurde über „die großen Interessen des gemeinsamen Vaterlandes“ gesprochen. Am darauffolgenden Tag sammelten sich 20.000 bis 30.000 Teilnehmer auf der Schlossruine. Die Teilnehmer kamen aus allen Bevölkerungsschichten und aus zahlreichen Nationen. Die Besucher führten goldene-rot-schwarze Trikoloren und oder trugen gleichfarbige Kokarden, die das Streben nach nationaler Einheit symbolisieren sollten. Im Unterschied dazu trug die Hauptfahne eine schwarz-weiß-goldene Farbreihung und trug den Schriftzug: „Deutschlands Wiedergeburt“. Das berühmteste aller Lieder Ernst Moritz Arndt wurde mit stolzem Patriotismus intoniert: „Was ist des Deutschen Vaterland? Ist´s Preußenland? Ist´s Schwabenland? Ist´s wo am Rhein die Rebe blüht? Ist´s wo am Belt die Möwe zieht? O nein, nein, nein! Mein Vaterland muss größer sein …“.

Als zweiter Redner, nach Dr. Hepp, war Philipp Jakob Siebenpfeiffer, der unter anderem folgende Ausführungen machte: „… die Regungen der Vaterlandsliebe sind uns unbekannt, die Erforschung dessen, was dem Vaterland Noth thut, ist Hochverrath, selbst der leise Wunsch, nur erst wieder ein Vaterland, eine frei-menschliche Heimath zu erstreben, ist Verbrechen. … aber knechtisch beugen wir den Nacken unter das Joch der eigenen Dränger“. Seine Rede beendete Siebenpfeiffer mit den Worten: „Es lebe das freie, das einige Deutschland! … Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schwört! Vaterland – Volkshoheit – Völkerbund hoch!“

Auf Siebenpfeiffer folgte Johann Georg August Wirth, dessen Rede mit folgenden Worten endete. „Darum, deutsche Patrioten, wollen wir die Männer wählen, die durch Geist, Feuereifer und Charakter berufen sind, das große Werk der deutschen Reform zu beginnen und zu leiten; … dann möge er die brüderliche Vereinigung suchen, mit den Patrioten aller Nationen, die für Freiheit, Volkshoheit und Völkerglück das Leben einzusetzen entschlossen sind. Hoch! Dreimal hoch leben die vereinigten Freistaaten Deutschlands! Hoch! Dreimal hoch das conförderirte republikanische Europa!“ Wie Siebenpfeiffer forderte Wirth das Ende des Absolutismus. Darüber hinaus verlangten die beiden nach nationaler Einheit.

Ebenso war Johann Heinrich Hochdörfer Redner, der seine radikalen Ansichten unter anderem mit diesen Worten kundtat. „Armes Volk! … Schaffen von seiner Hände Arbeit ehrlich sich ernähren – das, das ist bürgerlichz, aber nicht adelig, das schändet, das raubt vielmehr den Adel. Adelig ist nur, sagt deine Konstitution, bequem, reich, vornehm, üppig leben – vom fremden Schweiße.“ Die Hauptforderungen des Festes waren nationale Einheit, Freiheit, insbesondere Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Mienungsfreiheit, Bürgerrechte, die Neuordnung Europas auf der Grundlage gleichberechtigter Völker, Volkssouveränität sowie religiöse Toleranz.

Am 28. Mai 1832 trafen sich im Neustädter Schießhaus erneut führende Bürgerliche und Studenten zur Beratschlagung des weiteren Vorgehens zusammen. Die Anwesenden sollten Männer ihres Vertrauens wählen und diese sich als provisorische Regierung (Nationalconvent oder nationale Volksrepräsentation) dem Bundestag gegenüberstellen. Darauf folgte eine Zusammenkunft der gewählten Abgeordneten unter der leitung von Friedrich. Der Beschluss über einen gewaltsamen Umsturz fiel negativ aus. Wirth plädierte für den weiteren Aufbau von Oppositionsstrukturen durch die Umformung des Press- und Vaterlandsvereins in eine schlagkräftige politische Organisation, wodurch es zum Bruch zwischen Siebenpfeiffer, Wirth und dem Zentralkomitee kam. Alle weiteren Anträge blockte Schüler ab, indem er die Kompetenz der Anwesenden in Frage stellte. So wäre in dieser Versammlung beinah ein permanenter Nationalkonvent gebildet worden. Die Feierlichkeiten endeten am 1. Juni mit der Einholung der Fahne „Deutschlands Wiedergeburt“.

Der Press- und Vaterlandsverein munterte dazu auf, weitere Feste zu organisieren. Des Weiteren erkundigte sich Johann Ernst Arminius von Rauschenplatt sich nach Mitteln für den Ausbruch einer Revolution. Jedoch blieb diese aus. Im Gegensatz zum friedlichen Ablauf der Hambacher Festtage entlud sich nach dem 27. Mai in vielen Gemeinden der aufgestaute Missmut über die wirtschaftlichen und politischen Umstände. Nach der Verurteilung durch ein Zuchtpolizeigericht flüchteten Siebenpfeiffer und Wirth in die Schweiz. Schüler setzte sich nach Frankreich ab. Vom Exil aus hielten sie Kontakt zu Mitstreitern im Inland. Da einige der Teilnehmer des Hambacher Festes für den gewaltsamen Umsturz waren reagierte der Deutsche Bund in den Jahren nach 1832 mit vermehrter Repression. Die reaktionären Maßnahmen brachten die republikanische Bewegung zunächst zum Erliegen. Dennoch drückte das Bürgertum sein Streben nach einem geeinten Deutschland, nach Liberalität und Volksherrschaft aus, indem es entsprechende kunsthandwerkliche Gegenstände erwarb und verwendete.

Bei der Märzrevolution 1848/49 lebte die republikanische Bewegung wieder auf und konnte ihre Ziele zunächst auch teilweise umsetzen. Schüler, Wirth, Venedey und weitere Teilnehmer des Hambacher Festes kehrten aus dem Exil zurück. Die Bevölkerung wählte einige von ihnen in die Frankfurter Nationalversammlung. Die etwa 585 Abgeordnete erarbeiteten die Paulskirchverfassung.

Nach der Niederschlagung der Märzrevolution setzte eine weitere Auswanderungswelle von Oppositionellen ein. Im Deutschen Bund kam es erst nach der Restaurationsphase und dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zu einer – allerdings von oben bewirkten – „kleindeutschen“ Einigung. Unter Ausschluss Österreichs und Bezugnahme auf das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ initiierte der preußische Ministerpräsident und spätere Reichskanzler Otto von Bismarck das Deutsche Reich unter Kaiser Wilhelm I.

In seiner Rede anlässlich des 180. Jahrestages 2012 betonte der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), die Bedeutung des Hambacher Festes für die Freiheit der Rede und der Presse und wider die Zensur. Er bezeichnete die damaligen Teilnehmer als Träumer von einem „konföderierten Europa“, einem „Europa der Völker“´, und nahm mit der Forderung „Freiheit, Einheit und Europa“ analogen Bezug auf den Wortlaut der Transparente. Diese seien „schon“ bei dem Festzug im Jahre 1832 getragen worden.

Das Schloss ist als deutsches Freiheitssymbol eine Station der 2007 eingerichteten Straße der Demokratie, die von Frankfurt bis nach Lörrach führt.

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