Das Manifest der kontra-liberalen Rechten

„Gegen die Liberalen“ – Manch einer geht gar so weit es als das Gegenstück zum liberalen Manifest von 1952, als das Manifest der anti-liberalen Rechten zu bezeichnen.

Diesem Anspruch wird die von Martin Lichtmesz zusammengetragene Sammlung einiger Essays Armin Mohlers absolut gerecht.
Der Name ist Programm: Mohler zerlegt den Liberalismus Stück für Stück und legt so das offen, was man schon längst hätte bemerken müssen.
Er widerlegt gekonnt sämtliche Prinzipien der Liberalen; er wagt es gar das Herzstück des liberalen Denkens, das autonom agierende Individuum, für nicht existent zu erklären.Individuum

Mohler schreibt, jeder Mensch stehe in einem Lebenszusammenhang, von dem er aus denkt und reagiert. Er sei mit seiner Familie verwurzelt; Er verhalte sich im Hinblick auf die geschichtliche Situation in der er sich befindet und im Hinblick auf die Aufgabe, die er sich gestellt hat. (vgl. S. 14) Mohler attestiert den Grundvätern des Liberalismus ein „Drei-Uhr-morgens-Denken“ und einen darauf folgenden Intelligibillitätswahn: „ „Individuum“ […] ist er höchstens mitten in der Nacht, wenn er um 3 Uhr erwacht, alles um ihn reglos ist, alle Fäden zum Leben abgeschnitten, wenn selbst der Puls nur langsam schlägt – und er das Gefühl hat, in nichts verwoben und verwickelt zu sein.“ (S. 15).

Die Welt ist für den Menschen viel zu kompliziert, um sie bis in die kleinsten Verästelungen hinein vollständig zu begreifen. Der Liberale flüchtet sich in sein „Drei-Uhr-morgens-Denken“ und erschafft in seinen Gedanken frei nach Pippi Langstrumpf („Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt.“) eine neue, einfache Welt;. Eine Welt frei von Unlösbarkeiten in der hochkomplexe Gleichungen wie Milchmädchen-Rechnungen aufgehen; eine Bilderbuchwelt, die, so man nur fest daran glaubt, Wirklichkeit wird.

Ein gutes Beispiel für das, was beim „Drei-Uhr-morgens-Denken“ herauskommt, ist das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, weshalb Mohler dieses ebenfalls anführt. Der Liberalismus als politische Organisationsform habe es in Deutschland immer schwer gehabt, so Mohler. Deshalb manifestierte man ihn im Grundgesetz, das mit einer Verfassung wenig gemein hat, sondern eher einem Katalog von Denkverboten entspricht. „Eine Verfassung, die festlegen will, welche Gedanken verboten sind und auf welchen Werten wir unser Leben gründen sollen – das BRD-Grundgesetz ist eine solche Verfassung -, kann wegen Unerfüllbarkeit nur eine Quelle der Heuchelei werden.“ (S. 16), denn „im Grunde weiß jeder Bundesrepublikaner, dass all die schönen Absichten des Grundgesetzes fromme Wünsche bleiben, weil der Mensch und die Welt ganz anders sind“. (S. 17). Nach alter Erfahrung funktioniere eine Verfassung nur dann, wenn sie sich auf die Feststellung dessen beschränke welche Taten verboten sind. (vgl. S 16).

Besonders herauszuheben ist ebenfalls Mohlers Widerlegung des Egalitarismus.
Wenn jemand das allseits „beliebte“ Dogma „Alle Menschen sind gleich“ ausspricht, dann erhält der dafür stehende Ovationen, die Deutungshoheit in der Diskussionsrunde und bei Wiederholung sahnt er vielleicht noch einen Integrations-Preis ab. Doch „wenn einer sagt, eine anderthalb Meter hohe Tanne und ein anderthalb Meter hoher Stein seien gleich, so erntet er damit Spott.“ (S. 70)
Anschließend unterstreicht Mohler diese Aussage mit einem Zitat des Soziologen Robert Hepp: „Sie sehen auch nicht ein, […] dass alle Deutschen hinsichtlich zahlreicher ethnischer Merkmale vergleichbar sind, alle Menschen dagegen fast nur hinsichtlich der Tatsache, dass sie zwei Beine, aber keine Federn haben“ (Robert Hepp: Die Endlösung der deutschen Frage. Grundlinien einer politischen Demographie der Bundesrepublik Deutschland; Tübingen 1988).
Die Intensität der Gleichheit nimmt nämlich nicht mit der Anzahl der Vergleichsobjekte zu, sondern sinkt.

Doch der Liberalismus ist nicht nur Utopie, er bedeutet bei weiterer Ausbreitung den Tod für alle Völker der Erde.

Liberalismus

Dieses Zitat des Vordenkers der Konservativen Revolution ziert die erste Seite des Traktats. Mohler will es jedoch nicht als „Schlussstrich unter die deutsche Geschichte“ (S. 73) verstanden haben, sondern als Warnung. Wir sähen die Unzähligen, die unter dem Gifthauch der Kulturrevolution ihren Kontakt zu Wirklichkeit verloren hätten und sich in ihre Aussteiger-Ersatz-Welt zurückziehen suchten. Wir wüssten aber auch, dass der deutsche Geist sich immer wieder der Zwangsjacken zu entledigen gewusst habe, so Mohler (vgl. S. 73).

Das heißt: Wir müssen uns vom Liberalismus lossagen, uns der „Zwangsjacke“ von ’68 entledigen, um unser Volk vor dem drohenden Ethno(sui)zid zu erretten.

Abschließend möchte ich noch ein Lied von 1848 anführen, welches Martin Lichtmesz in seinem Nachwort zitiert:

Hütet euch vor Liberalen

Die nur reden, die nur prahlen

Nur mit Worten stets bezahlen

Aber arm an Taten sind

Die bald hier-, bald dorthin sehen

Bald nach rechts, nach links sich drehen

Wie die Fahne vor dem Wind.

Hütet euch vor Liberalen

Die bei schweigerischen Mahlen

Bei gefüllten Festpokalen

Turm der Freiheit sich genannt

Und die doch um einen Titel

Zensor werden oder Büttel

Oder gar Denunziant.

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen…

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