200 Jahre Richard Wagner

„Ehrt eure deutschen Meister, dann bannt ihr gute Geister!“ so die Mahnung aus Wilhelm Richard Wagners (* 22. Mai 1813 in Leipzig; + 13. Februar 1883 in Venedig) „Meistersingern von Nürnberg“. Wagner war nicht nur Komponist, er war Visionär, der auch um politische, soziale und weltanschauliche Grundfragen keinen Bogen machte. Richard Wagners ersehntes Gesamt-Kunstwerk war das Deutsche, das seiner Zeit noch um Einheit, Freiheit und innere Identität rang. Die Reichsgründung von 1871 hat Wagner auch mitgestaltet und stand für ein soziales gerechtes und kulturelles Heimatland ein. Sein Einfluss auf spätere Komponisten enorm – selbst die Filmmusik Hollyswoods wäre ohne Wagner kaum denkbar.

Mit seinem Streben nach künstlerischer Selbstverwirklichung und seinem außergewöhnlichen Lebenswandel hatte sich Wagner nicht nur Freunde gemacht. Der Ruhm von Wagners Werk wurde durch seinen Hang zum Chauvinismus und Antisemitismus überschattet. Leider erkor sich auch Adolf Hitler Wagners sagenhafte Bühnenwelt, die voller Abgründe und Heilsbotschaften steckte, zu seiner geistigen Heimat. Dass der Komponist ein Antisemit war und in den Aufsatz „Das Judenthum in der Musik“ den Juden jede Befähigung zur Kunst absprach, passt Hitler perfekt.

Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813, also heute vor 200 Jahren, in Leipzig geboren. Ludwig Geyer, sein Stiefvater, weckte in Richard Wagner die Liebe zum Theater. Um die Schulzeit auszugleichen, beschäftigte sich Wagner autodidaktisch mit Dichten und Komponieren. Bei Christian Gottlieb Müller lernte er während dieser Zeit heimlich die Harmonielehre. Durch die neun Sinfonien Ludwig van Beethovens wurde der erst 17 Jahre alte Wagner zur Komposition von Sonaten, einem Streichquartett und einer unvollendeten Oper angeregt. Am 23.02.1831 schrieb Wagner sich als „studiosus musicae“ in die Leipziger Universitätsmatrikel ein und wurde zwischenzeitlich bei der Studentenverbindung „Corps Saxonia Leipzig“ aktiv. Literarische Anregungen erhielt er von seinem Onkel Adolf Wagner. In der „Zeitung für die elegante Welt“ erschien 1833 der Aufsatz „Die Deutsche Oper“. Am 7. Juni 1834 wurde er Chordirektor in Würzburg. Über Magdeburg, Königsberg und Riga floh er 1839 hochverschuldet nach Paris.

Der Erfolg kam am 20. Oktober 1842 als „Rienzi“ im Dresdner Hoftheater uraufgeführt wurde. Weitere Werke waren zu der Zeit „Das Liebesverbot“, „Der fliegende Holländer“ sowie „Tannhäuser“ und „Lohengrin“. Doch er war nicht nur Künstler sondern auch ein begeisterter Demokrat. Er unterstützte die bürgerliche Revolution in Sachsen, die Mitte Mai 1849 scheiterte. Ab dem 16.5.1849 wurde Wagner per Fahndungsaufruf und flüchtete mit Unterstützung Frank Liszt in das Exil nach Zürich. Die 1840er Jahren waren für Wagner entscheidend, so bildeten sich alle späteren Werke schon heraus, laut dem Schriftsteller Thomas Mann, der Wagner unter anderem als „Pumpgenie“ betitelte.

In Zürich konnte er allmählich an alte Erfolge anknüpfen, neben „Rheingold“ und „Siegfried“ entstanden seine wichtigsten theoretischen Schriften, u.a. die Abhandlung „Das Kunstwerk der Zukunft“ sowie die musiktheoretische Schrift „Oper und Drama“. 1852 vollendete er die Dichtungen zum „Ring der Nibelungen“ und gab Konzerte in Zürich. Wagners Ziel war der Zusammenschluss der verschiedenen Künste sowie die Erfahrung einer höheren Realität. Er wollte mit dem Musikdrama Religiosität erwecken und reformierte damit die Gattung der Oper. Im August 1858 ging Wagner über Venedig, Luzern und Paris nach Wien. Am 13. März 1861 kommt es in der Pariser Oper zu einen der berühmtesten Opernskandale der Musikgeschichte. Da Wagner sich weigerte das Ballett, nach Tradition des Hauses, im zweiten Akt einzuführen. Dies veranlasste den aristokratischen Jockey Club zu Störaktionen während der Aufführung. Diese „Schlacht um Tannhäuser“ veranlasste Wagner, die Oper zurückzuziehen. Nach der Nachricht am 28. März 1862 über seine Amnestie weilte er am 1. November 1862 wieder zu einem Konzert im Gewandhaus in Leipzig.

1864 holt Bayernkönig Ludwig II. den hochverehrten Komponisten nach München und bezahlte seine Schulden sowie in den nächsten Jahren immer wieder unterstütze.. Wagner konnte nun unter besten Bedingungen arbeiten sowie mehrere Opern aufführen. „Und dieses Leben, sein letztes Dichten und Tönen, gehört nun Ihnen, mein gnadenreicher junger König: verfügen Sie darüber als über Ihr Eigenthum!“, so umschmeichelt Wagner seinen Mäzen König Ludwig II. Als Wagner in die Tagespolitik des Königreiches eingreifen will, ist es Volk und Politikern zu viel. Wagner müsse gehen, fordern die Minister und der König beugt sich.

Zurück in Leipzig lernt Wagner 1868 den jungen Friedrich Nietzsche kennen, bis 1872 verband beide eine Freundschaft; Nietzsche war von Wagners Werken sehr beeindruckt. Am 17. Juli 1869 begann Wagner seine Autobiographie „Mein Leben“ und heiratete 1870 die 24 Jahre jüngere Cosima von Bülow, mit der er drei Kinder zuvor zeugte. Im Jahr 1872 war die Grundsteinlegung für ein von Wagner entworfenes und von Ludwig II. finanziertes Festspielhaus in Bayreuth erfolgt, indem Wagner ein „unsichtbares Orchester“ schuf, durch die Abdeckung des Orchestergraben zum Publikum hin. Nachdem er die Partitur beendete wurde 1876 das Festspielhaus mit der Uraufführung des „Rings der Nibelungen“ eingeweiht. An Parsifal arbeitete er in den Jahren 1877 bis 1879, bevor dieser 1882 vollendet und aufgeführt wurde. Am 13. Februar 1882 starb der geniale Künstler in Venedig, das er zur Wiederherstellung seiner Gesundheit aufgesucht hatte. Der Leichnam wurde im Garten seines Hauses am 18. Februar 1882 in Bayreuth beigesetzt.

Zum 200. Geburtstag gibt es etliche Konzerte, Ausstellungen und Neuinszenierungen. Die Festspiele sind ein gesellschaftliches Großereignis.

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