Islamismus und deren drei Strömungen – Teil III

Im dritten und letzten Teil der Reihe Islamismus und deren drei Strömungen beleuchten wir heute, die Grauen Wölfe sowie den Salafismus.

Graue Wölfe

Graue Wölfe (türkisch Bozkurtlar, Bozkurtcular) ist die Bezeichnung für Mitglieder der rechtsextremistischen türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP). Die deutsche Organisation ist die so genannte „Förderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland“ bzw. „Türk Fedensyon“ (ADÜTDF).

Ihre Ideologie auch als Panturkismus bezeichnet, ist eine sich von Balkan über Zentralasien bis nach Xinjiang erstreckende Nation, die alle Turkvölker vereint. Eine starke, unabhängige und selbstbewusste Türkei ist Zentrum der beanspruchten Gemeinschaft aller Turkvölker.

Die kurdische Untergrundorganisation PKK sowie jegliche Kurden sehen die Grauen Wölfe als Feindbilder, da sie eine Gefahr für die Türkei darstellen. Auch Israel, Juden und Zionisten, Armenier, Griechen, Kommunisten, Freimaurer, der Vatikan und die Vereinigten Staaten gelten als Feindbilder.

Eine ungebrochene Kampfbereitschaft kommt in ihrem Eid zum Ausdruck. Der Schwur legt nahe, dass die Bekämpfung auch außerhalb der Türkei zu erfolgen hat. Dabei sind sie konsequent und skrupellos. Als paramilitärischer Arm der MHP haben die Grauen Wölfe in den 1970er und 1980er die Militäroffensive der türkischen Regierung gegen die kurdische PKK unterstützt.

Die GrauenWölfe stehen in Europa unter Beobachtung. Der Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen wirft ihr vor, „zur Entstehung einer Parallelgesellschaft in Europa“ beizutragen, und sieht in ihr „ein Hindernis für die Integration der türkischstämmigen Bevölkerung.“ Mehmet Ali Agea, der das Attentat auf Papst Johannes Paul II. beging, war Mitglied der Grauen Wölfe.

Im Juni 2009 trat Ali H. Yildiz, Vorstandsmitglied des Deutsch Türkischen Forums (DTF), einer Unterorganisation der CDU, vom Amt zurück, da sich das DTF nicht klar von den „Grauen Wölfen“ distanziere. Kubilay Demirkaya bezeichnet die Grauen Wölfe als eine gefährliche Mischung, die sich in Deutschland breitmacht. 2011 kam es im Essener Integrationsrat zum Eklat, da aufgedeckt wurde, dass der Integrationsrat der Stadt ein Hort der Grauen Wölfe sei. Die Sozialverwaltung der Stadt Köln hat eine Studie über den Einfluss rechtsextremer Gruppen wie der Grauen Wölfe auf türkeistämmige Jugendliche in Auftrag gegeben.

Salafismus

Der Salafismus (arab. Al-salafai-salih, „rechtschaffenden Altvorderen) ist die zurzeit dynamischste islamistische Bewegung. Unter ihr versteht man eine vom Wahhabismus (konservative, dogmatische Richtung des sunnitischen Islams) beeinflusste, rückwärts gewandte Strömung innerhalb des Islamismus. Da der Islam aus ihrer Sicht nur zu Lebzeiten Muhammeds und seiner Gefolgsleute gelebt wurde, richten sie ihre religiöse Praxis und Lebensführung an den Prinzipien des Koran und der Prophetentradition aus.

Sie fordern die vollständige Umsetzung der Scharia. Islam ist aus ihrer Sicht die wortgetreue Befolgung des Koran und der Prophetentradition beruhendes System. Dabei soll ein islamischer „Gottesstaat“ errichtet werden. Salafisten lehnen die Volkssouveränität und säkulares Recht als „Götzendienst“ ab.

Der Salafismus lässt sich laut Verfassungsschutz in zwei Strömungen, dem politischen und dem jihadistischen Salafismus unterscheiden. Dabei teilen sie ihre ideologischen Grundlagen und unterscheiden sich in ihren strategischen Mitteln. Die politischen Salafisten versuchen, durch Propagandaaktivitäten die Gesellschaft in einem langfristig angelegten Prozess nach salafistischen Normen zu verändern. Jihadistische Salafisten befürworten eine unmittelbare Gewaltanwendung. Den arabischen Terminus takfir („Exkommunikation“) nutzen Salafisten dabei um ideologische Feinde zu „Feinden des Islams“ zu erklären, und Gewaltanwendungen zu legitimieren.

In Deutschland sind überwiegend politische Salafisten aktiv. Vorrangiges Ziel ist die Gewinnung neuer Anhänger, aber auch die Bildung länderübergreifender Netzwerke wird vorangetrieben dazu werden bekannte Gastprediger regelmäßig eingeladen. Neben der Verteilung von Koranexamplaren an Haushalte, kommt den Islamseminaren eine große Bedeutung zu. Die Breitenwirkung entfaltet der Salafismus durch das Internet, indem salafistische Ideologieinhalte vermittelt werden. Dabei zielen junge Akteure auf ein ebenso junges Publikum. Den instabilen und verunsicherten Jugendlichen bieten einfache Regeln und Normen an, Teil einer elitären Gemeinschaft zu sein. Zwar entwickelt sich nur ein kleiner Teil zu gewaltbereiten Jihadisten, wurden aber mehrheitlich über die salafistische Ideologie radikalisiert. Aktuelles Beispiel ist der Fall eines 22jährigen Mannes, den das OLG Frankfurt/Main am 9. Februar 2012 wegen Doppelmordes und dreifachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte. Er hatte am 2. März 2011 durch einen Anschlag auf US-amerikanische Soldaten am Flughafen Frankfurt a.M., das erste vollendete islamistisch motivierte Terrorattentat im Bundesgebiet, begangen.

Die in Deutschland beobachteten jihadisitischen Salafisten zeigen Nähe zu „al-Qaida“ und verbündeten Gruppen. An erster Stelle ist die in Deutschland entstandene IJU-Struktur zu nennen. Ihr gehörten die Mitglieder der „Sauerland-Gruppe“ an, die Anschläge gegen US-amerikanische Einrichtungen in Deutschland geplant und vorbereitet hatten. Ebenso gehörte ein türkischer Staatsangehöriger der am 3. März 2008 einen Selbstmordanschlag auf einen US-amerikanischen Militärstützpunkt in Afghanistan durchführte der „Sauerland-Gruppe“ an. Seit März 2009 sind vermehrt Reisen von Personen aus dem salafistischen Milieu in Deutschland in Richtung Afghanistan und Pakistan feststellbar um dort eine terroristische Ausbildung zu absolvieren.

Gewalt spielt im Salafismus auch als religiös legitimierte Gewalt, so die Körperstrafen, bei der Vollstreckung des islamischen Rechts eine Rolle. Die Strafen reichen vom Auspeitschen über das Abtrennen von Hand/Fuß bis zur Steinigung und Enthauptung. Ein Religionswechsel muss mit der Tötung des „Abtrünnigen“ bestraft werden. Ebenfalls räumen Salafisten Männern ein Züchtigungsrecht gegenüber „ungehorsamen“ Frauen ein. Den Salafisten ist bewusst, dass die Umsetzung in Deutschland nicht erlaubt ist, setzen es aber aufgrund des „zeitlosen“ und „überlegenen“ Charakters des Islam in allen Lebensbereichen weitestgehend um.

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