Prediger der Wüste

Auch heute noch gibt es einige, gibt es wenige und darum wertvolle Menschen. Auch heute noch gibt es Schaffende, und ihren Willen zur Macht. Doch sie können nichts schaffen, nichts bauen, denn es fehlt ihnen am Material.

Wo einst ein großer Feldheer kühne Schlachten schlagen wollte, da fanden sich stets genügend Tapfere, die ihm folgten. Wo einmal ein edler Dichter die Welt in schönen Worten neu erfinden wollte, da fanden sich stets ein begeistertes Publikum.  Wer einst schaffen wollte, der fand stets Menschen mit denen man auch etwas schaffen konnte. Heute aber steht der Schaffende alleine da. Bauleiter mag es noch geben, doch die Arbeiter sind verschwunden. Verzweifelt versuchen die Schaffenden Menschen zu finden mit denen man etwas schaffen kann.

Doch was kann der Schaffende schon bieten? Ruhm? Teilhaben an etwas Großem? Verewigung der eigenen Kraft? Was kümmert all dies den letzten Menschen? Früher da war es leicht Arbeiter zu gewinnen. Man rief auf im Namen Gottes, der Nation, des Kaisers oder sonst einer Instanz zu kommen, und zu Millionen liefen die Begeisterten herbei, und halfen dem Schaffenden bei seinem Werk. Der letzte Mensch aber glaubt an keinen Gott mehr, die Nation kümmert ihn nicht und die Politiker sind ebenso korrupt und faul, wie er selbst. Der letzte Mensch hat vergessen, was es heißt einer großen Sache zu dienen. Er hat seine Begeisterung, seinen Glauben an etwas verloren.

Doch nichts schmerzt mehr als ein Schaffender zu sein und keine Gefolgsleute zu haben. Nichts ist schlimmer als eine Schatzkarte zu besitzen, doch keine Crew zu finden, um den Schatz zu heben. Und wahrlich kein grausameres Los gibt es als zu wissen wie man seinen Kontinent vor der Zerstörung und Eroberung retten könnte, doch niemanden zu finden, der den Kontinent retten MÖCHTE. Und so geht der Schaffende zugrunde, und kann nicht schaffen, da es kein Material zu formen, keine Welt zu gestalten gibt.

Das Wort wäre dem Schaffenden egal. Soll er Gott, soll er Nation, soll er Revolution rufen. Was kümmert es den Schaffenden mit welchem Satz er die Massen zu seinen Fahnen ruft? Aber ein Wort muss es geben! Und er muss es kennen. Heute aber gibt es kein Wort mehr. Der letzte Mensch glaubt an nichts, doch für nichts wird er nicht kämpfen, für nichts wird er nicht leiden und nicht opfern. Und so stehen die Schaffenden in der Wüste und warten auf jene, die noch an etwas glauben. Erbittert und neidisch beobachten sie jene Völker, die noch einen Glauben haben, die man leicht mobilisieren könne. Wie leicht wäre es doch mit solchen Menschen. Man sagt Allah, oder Gott, oder Partei, und die Menschen strömen herbei, bereit große Dinge zu vollbringen. Wehe dem Schaffenden, der keine Diener findet. Wehe dem Volk, das seinen Schaffenden nicht dienen will. Denn es muss zugrunde gehen.

Ihr nennt all diese Dinge wertlosen Glauben? Ihr glaubt an das Nichts? So wisset, dass ihr wertlos seid, dass ihr überflüssig seid. Wer nicht schaffen kann, muss glauben können, wer beides nicht tut, der ist umsonst auf der Welt. Der letzte Mensch in euch schreit: „Wozu soll ich bluten für solche Dinge ohne Belang?“ Doch ich frage dich letzter Mensch. Wozu sollst du überhaupt leben, wenn du nicht Teil von etwas sein willst? Wozu gibt es dich denn dann? Wenn ihr den letzten Menschen überwinden wollt, so müsst ihr lernen zu schaffen, oder aber Schaffenden zur Seite stehen.

Noch sind sie einsame Rufer in der Wüste. Ich aber sage euch: Glücklicher und fröhlicher als jemals zuvor werdet ihr sein, wenn ihr zu den Schaffenden geht, und mit ihnen an einem großen Werk arbeitet. Und wenn ihr dereinst sterbt, so sollt ihr nicht sagen: „Ich hatte Spaß“, oder „es war schön“. Nein ich will euch auf euer Werk deuten sehen und stolz rufen hören: „Das war ich! Das waren wir! Und für dieses Werk wollen wir zugrunde gehen!“

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