Der Sinn des sinnlosen Leben

In all seinem Streben und Handeln kennt der moderne Mensch nur ein Ziel, nur einen Maßstab, Gemütlichkeit. Er weiß selbst nicht, dass er nur dieses eine Ziel hat, dass Gemütlichkeit der Sinn seines Leben ist, denn zu unangenehm, zu hart, zu ungemütlich ist ihm die Frage nach dem Sinn seiner Existenz. Der Sinn seines Lebens? Ein falsches Wort! Denn der letzte Mensch lebt nicht, er existiert. Er kämpft nicht, er konsumiert. Ein Schuft wer dieses Dasein Leben nennt! Der Tod ist sein größtes Ziel und als Toter wandelt er unter den Lebenden. Was ist Lebendiges an ihm? Der letzte Mensch kauert in seinem Fernsehsessel und lässt sich von den Bildern berieseln. Er schaut nichts Überwältigendes, nichts Dramatisches mehr, stumpfe Unterhaltung gefällt ihm, denn die strengt nicht an. Und zwänge ihn die Wirtschaft nicht für seinen Konsum zu arbeiten, er verbrächte seine gesamte Existenz in diesem Sessel und wartete auf den Tod.

Und wahrlich sein größter Traum ist sich nie wieder bewegen und seine Gemütlichkeit verlassen zu müssen. Warum stirbt er nicht einfach? Er will doch nicht leben, und sein Dasein ist ihm mühselig. Er ist nicht glücklich, doch etwas gegen sein Unglück zu unternehmen bedeutete zu viel Anstrengung. Der Tod wäre für ihn die größte Erlösung. Doch selbst für den Tod bringt er nicht die Kraft auf. Sterben? Dazu müsste er sich aus seinem Stuhle erheben. Glücklich werden? Leben? Nein, lieber sitzt er da und jammert über die Welt.

Seine Vorfahren führten wilde Kriege und versuchten die ganze Welt zu unterjochen. Sie sprangen durch Feuerreifen und bekämpften sich gegenseitig. Sie tanzten durch die Wälder, sangen Lieder und Gedichte, sie erfochten Revolutionen oder verbreiteten ihren Glauben. Sie lebten also, sie gaben sich ein Schicksal, eine Bestimmung.

Was aber ist euer Schicksal? Ihr lachtet und spottetet über den der nur im Fernsehsessel sitzt? Ihr tatet es zurecht! Doch wart ihr solche, die auch lachen durften? Oder könnte mit gleichem Grunde auch der letzte Mensch über euch spotten? Da ihr doch wie er seid? Könnt ihr nennen was euer Schicksal ist? Ihr müsst es nicht nennen, so ihr er nur selbst wisst! Wisst ihr es? Nur ein solcher darf sagen, er lebt, der auch für etwas lebt. Der ein Ziel hat, und eine Bestimmung. Doch nicht das Ziel ist es, das dem Menschen Bedeutung verleiht, sondern die Leidenschaft und Kraft des Menschen verleihen erst dem Ziel Bedeutung. Die Gemütlichkeit aber wird euch an jedem Ziel hindern. Und so ihr ein Ziel habt müsst ihr aufstehen und das Ungemütliche ertragen. Ihr müsst alles vergessen, euch hingeben und das Chaos in eurem Herzen erwecken. Ich will wieder Wahnsinn in euren Augen sehen! Ich will, dass ihr alles verachtet, das euch von eurem Schicksal ablenken will. Und euch selbst müsst ihr verachten, weil ihr euer Schicksal noch nicht erfüllt habt. Erkennt ihr euch selbst? Seid ihr Mensch oder Tier? Seid ihr der letzte Mensch? Oder habt ihr ein Schicksal, habt ihr eine Bestimmung? Und wenn nicht, so wird es Zeit, dass ihr euch ein Schicksal erschafft!

Der letzte Mensch ist etwas, das überwunden werden muss. Und doch ist diese Zeit seine Zeit und in uns allen steckt er. Denn er ist das Ideal Europas geworden. So wir also wieder leben wollen, so wir überleben wollen, müssen wir uns ein neues Ideal erschaffen, den Menschen. Geht nun hinaus und gebt euch ein Schicksal, eine Bestimmung. Und verachtet jene die kein Schicksal haben, denn sie sind die letzten Menschen und sollen und werden zugrunde gehen.

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