Masken in der Zeit der Narren …

Viel Spott ist ausgeschüttet worden über jene jungen Männer, die zuerst in Wien, dann auch in Frankfurt und in anderen Städten maskiert tanzten, um eine neue politische Bewegung (die Identitäre Bewegung) bekannt zu machen. Der Impuls: politisches Gleichgewichtsgefühl. Diese “Identitären” wählen solche Formen der Störung durch Masken – Tanz, weil sie sich verbergen wollen: Wer will schon als Teilnehmer an einer zwar gewaltlosen, aber doch rechten Aktion enttarnt werden ?

Bei allem Verständnis dafür aber darf man nicht verkennen, daß die Maske in der politischen Auseinandersetzung kein positiv besetztes Symbol ist. Ihre Verwendung erinnert ans Theater und an das Rollenspiel, das die Narren dieser Tage aufführen, bevor sie am Aschermittwoch hinter der Maske wieder hervortreten und ihr wahres Gesicht zeigen müssen. Die Politik erträgt Masken nur dann, wenn sie als solche nicht erkennbar, sondern  mit ihrem Träger verschmolzen sind wie eine zweite Haut – wie sonst wären die Sympathiewerte zu erklären, die der knallharte Kommunist Jürgen Trittin hinter seiner Maske eines bürgerlich – sozialen Finanzexperten einfährt?

Authentizität ist ein Schlüsselwort politischer public relation. Die Affenmaske, der Schweinskopf und die Gespensterlarve der Identitären sind keine Sympathieträger und keine zweite Haut. Und so ist der maskierte Protest dieser Gruppe nur innerhalb der eigenen Szene zu einem Symbol des Widerstandes geworden. Dabei könnten die Fratzen weit darüber hinaus auf einen elenden Sachverhalt verweisen:  So frei, wie das System sich präsentiert, kann es nicht sein, wenn es selbst  maßvollen Protest zur Maskerade zwingt. Daß es diese Mimikry auch noch für den Beweis hält,  hier habe jemand etwas zu verbergen und werde zurecht ins Abseits befördert, gehört zur ausdifferenzierten Form einer “Herrschaft des Verdachts”, über die bei Hegel schon das Wesentliche zu lesen war. …Und doch gibt es – und das ist ein Glück – immer wieder solche, denen es plötzlich zu würdelos erscheint, weiterhin eine Maske zu tragen. Auf diese Gesichter kommt es an. Mit ihrem Auftritt steht und fällt die Frage, ob noch einmal etwas ins Lot kommen kann.”

( Götz Kubitschek im Editorial unter dem Titel “Masken” in “Sezession” 52 v. Februar 2013, S. 1 )

Können wir Götz Kubitschek da ganz oder zum Teil zustimmen?

Quelle: Metapolitika (09.02.2012)

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